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Nahverkehr auf Umwegen (2. Teil)

Zum 1. Teil

Kurze Zeit später quäkte eine Durchsage durch den Lautsprecher: „Sehr geehrte Fahrgäste, auf dem vor uns befindlichen Streckenabschnitt befindet sich ein liegengebliebener Zug. Unsere Weiterfahrt verzögert sich daher auf unbestimmte Zeit. Die Türen sind wieder freigegeben, wer will, kann aussteigen, sich die Beine vertreten oder eine rauchen gehen. Wer aussteigt, bleibt aber bitte auf dem Bahnsteig und achtet auf die Lautsprecherdurchsagen.“

Auch das noch!

Zwar hatte ich es mir hier inzwischen schon gemütlich gemacht, aber trotzdem war mir diese weitere Verzögerung nicht willkommen.

Auf jeden Fall würde es aber draußen nicht so heiß und stickig sein wie im Zug, also bemühten wir uns, unsere Kleidung notdürftig zurechtzurücken, nahmen unser Gepäck, und gingen auf den Bahnsteig hinaus.

Bei Verständnisschwierigkeiten mit Max‘ oder Anne’s Dialekt: Einfach den Mauszeiger länger über die entsprechende Textpassage halten.
(Nutzer von Touch-Devices: Bitte in den Kommentaren schreiben, was ihr nicht versteht.)

„Das Kuhkaff kenn‘ ich.“, murmelte Max, „Gleich hinterm Bahnhof gibt’s a schaddigs Wäldle. Magsch midkomma?“

Ich überlegte. Das war natürliche eine angenehme Alternative zu diesem stickigen Zug, der sich ohne Kühlung durch den Fahrtwind noch weiter aufheizen würde.

Mir gefiel sein leichter Dialekt. „Mal schauen, ob er meinen auch mag“, dachte ich, und beschloss, mich nicht mehr ganz so sehr um lupenreines Hochdeutsch zu bemühen, wenn ich mit ihm sprach.

„Einverstanne!“, antwortete ich kurz, und fügte hinzu: „Was machemer mit mei Dasche und dein Ruggsagg?“

Sein drolliges Grinsen, kaum dass ich den Mund aufgemacht hatte, zeigte mir, dass mein Dialekt wohl seinen Geschmack getroffen hatte, und bevor er antwortete, küsste er mich noch mal.

Aber wir mussten jetzt erst einmal sehen, wie wir weiter kamen.

„Siehsch des flache graue Teil da hinten rechts, kurz nacham Bahnsteigende, des aussieht, als hätt‘ man so a orangschene Streusandkischd mit Beton übergosse‘?“

Da hinten war so ein kleines flaches Häuschen. Es war wirklich nicht viel höher als eine Streusandkiste, nur im Vergleich zu dieser etwas in die Länge gezogen. Aber ich wusste nicht so recht, worauf er hinaus wollte.

„Häh?“

„Des isch a alter Splitterschutzbunker für Rangierer“,, erklärte er, „noch aus’m Zweite‘ Weltkrieg. Da hen die sich bei de Luftangriff‘ drin verschteckt. In den guckt so schnell keiner nei.“ Er grinste. „Oder meinschd, der dridde Weltkrieg bricht demnächst aus?“

„Nä, aber woher weißt du des?“, staunte ich beeindruckt.

„Schwülwarme Sommernächt‘, in denne ma‘ kaum einschlafe‘ kann, und diverse Folge‘ von ‘Eisenbahn-Romantik‘ auf YouTube.“ Frotzelnd – und wieder mit hochgezogener Augenbraue – fügte er noch auf Beinahe-Hochdeutsch hinzu: „Willst Du *wirklich* die Details wissen, oder schau mer, dass mer unser Gepäck loswerdat?“

Irgendwie zögerte ich noch, so dass er nochmals nachhakte: „Wie sieht’s aus, kommst du?“

„Das werden wir seh’n“, antwortete ich augenzwinkernd, „ich hoff‘ doch.“

Er verdrehte kurz die Augen.

Wir tranken schnell einen Schluck aus unseren mitgebrachten Getränken. Ich hatte stilles Wasser dabei, er ein Spezi. Ich verstaute dann mein Notebook zusätzlich in der Reisetasche, während Max seine Anzugjacke achtlos in seinen Rucksack stopfte. Er nestelte noch kurz an einer kleineren Tasche seines Rucksacks herum, aber ich konnte nicht genau sehen, was er tat – nur, dass er sich irgendetwas kompaktes in die Brusttasche seines Hemds steckte. Zum Glück keine Zigarettenschachtel – das hätte mein Interesse an ihm schlagartig auf unter Null reduziert. Aber das hätte ich wohl vorhin schon am Geschmack seiner Küsse gemerkt.

Falls er von sich aus daran dachte, Kondome einzupacken, gäbe das schon wieder einen Pluspunkt. Für alle Fälle hatte ich ja immer ein paar in meiner Handtasche, aber besser zu viele, als zu wenige.

Dann machten wir uns auf den Weg.

Am Bahnsteig standen bereits etliche Reisende, die ihrer Nikotinsucht frönten, gehüllt in eklige Rauchschwaden.

Max nahm mich an der Hand und bahnte uns den Weg in Richtung des Splitterschutzbunkers. Uns kam zugute, dass alle in die letzte Fahrtrichtung des Zuges schauten, wo sich in einiger Entfernung eine graugelbe Rauchsäule erhob. Aus der gleichen Richtung und auch vom Dach eines nahen Gebäudes waren abgehackte Sirenenklänge zu hören.

Er ging voran, deutete mit dem Daumen über seine Schulter in Richtung der anderen Fahrgäste und der Rauchsäule, und meinte: „Liegengebliebener Zug, von wääga. Des Vehikel da vorne brennt, sonsch wär hier nedd so ein Bohei.“

Da er ein ziemliches Tempo drauf hatte, konnte ich mit meiner schweren Tasche kaum Schritt halten, so dass er mir anbot, sie mir abzunehmen. Großzügig ließ ich ihn gewähren.

Wie auf Bestellung fuhren die ersten Feuerwehrfahrzeuge am Bahnhof vorbei, als wir uns am Bahnsteigende um die Absperrung in Richtung Bunker mogelten. Die Meute war ausreichend abgelenkt und ignorierte uns.

„Siehsch, bloß d‘ Feuerwehr. Koi dritter Weltkrieg, koi Fliegeralarm. Der hätt‘ sich andersch angehört. Und frag‘ bitte nicht schon wieder, woher ich des weiß.“, frotzelte Max.

Na, da hatte ich mir ja jemanden geangelt! Seine Flachwitze und meine Doppeldeutigkeiten, das kann ja nur was werden! Diesmal verdrehte *ich* amüsiert die Augen.

Unbeobachtet verstauten wir unser Gepäck. Max versicherte mir, auch mein Notebook sei dort sicher. Nur meine Handtasche behielt ich lieber doch bei mir und die Flasche Wasser war wohl auch notwendig.

Höchstgradig illegal huschten wir über die Gleise. Nun mussten wir den Bahndamm und eine kleine Böschung hinunterklettern. Max ging voran, aber ich kam mit den Keilabsätzen meiner Sandalen ins Rutschen. Er konnte mich gerade noch auffangen.

„Dir isses ja wirklich dringend!“, meinte ich lachend, als ich eng an ihn geschmiegt mein Gleichgewicht wiederfand.

„Des said d‘ Richtiga!“, lachte er, und fuhr fort: „Wer von uns zwoi hat denn nix drunter? Ernschdhaft, Mädle, läufsch Du ällaweil so rum? Kannsch froh sei, dass ich a Schwäche für Fraua han, die da erschda Schridd machad, ond dass da mir so gut g’fellsch, sonsch hätt’s me mehr abgschreckd als hoiß g’machd.“

Er schien es nicht ganz ernst zu meinen, doch ein bisschen schaute er auch besorgt. Ob er wohl verunsichert war, auf wen er sich da eingelassen hatte? Wenn er nicht vorhin im Zug hätte durchblicken lassen, dass er schon längere Zeit Single ist, hätte ich ihm in dem Moment glatt den treusorgenden Familienvater und ernsthaft besorgten Papa abgenommen.

Ich verdrehte die Augen. Er selbst war mit Krawatte und hochgeschlossenem Hemd im Zug gesessen – dass ich mich nur wettergerecht gekleidet hatte, kam ihm scheinbar nicht in den Sinn.

„Es ist Hochsommer! Mir war so furchtbar, furchtbar heiß …“, säuselte ich, „… und mit dir neben mir isses auch nicht leichter geworden. Ganz im Gegenteil, …“

Ich zwinkerte ihm vielsagend lächelnd zu, und ergänzte noch: „… da war ich fast schon einer Ohnmacht nah.“

Er zog wieder die Augenbraue hoch und blieb diesmal im Hochdeutschen, als er mit betonter Strenge sagte: „Das wäre also Deine Taktik gewesen, wenn die Beinberührung nicht bei mir gezogen hätte? Darauf zu hoffen, dass ich zur Mund-zu-Mund-Beatmung schreite? Du bist schon ein bisschen verdorben, kann das sein, hmm?“ Zum Glück sah ich an seinem Gesichtsausdruck, dass er das nun eindeutig nicht mehr ernst meinen konnte. Und er zog mich dabei wieder fest an sich heran. Es schien ihn also schon ein wenig anzuschärfen, nicht das brave Mädchen vom Lande vor sich zu haben. Seine untere Körperregion sprach in der Hinsicht Bände.

„Was hältst du von mir!“, tat ich entrüstet, drückte mich spielerisch ein Stück von ihm weg, und meinte „Ich gebe dir mein Wort, im Zug habe ich noch nie jemanden verführt! Mir war heute wirklich nur heiß!“

Es entsprach ja auch der Wahrheit – im Zug war ich bisher noch nie auf’s Ganze gegangen (schließlich war ich eher selten mit der Bahn unterwegs). Und von den anderen Gelegenheiten musste er erst recht nichts wissen …

„Na, dann hätt‘ mer des ja jetzt auch geklärt.“, meinte er mit dem drolligen Grinsen, an dem ich in so kurzer Zeit schon so viel Gefallen gefunden hatte, nahm mich an der linken Hand, und lief mit mir einen Feldweg entlang.

Nach kurzer Zeit meinte er „Sodele, da hinten isch eine schöne, ruhige Lichtung. Mir missad bloß noch ein Stückle durch den Wald.“

Also gingen wir weiter einen schmalen Pfad entlang. Er hatte mittlerweile trotz der Hitze den Arm um mich gelegt, aber hier war es schattiger, und auszuhalten.

Ich tastete mich vorsichtig von seinem Hosenbund weiter nach unten zu seiner Gesäßbacke, um leicht daran herumzudrücken. Er revanchierte sich, und tätschelte seinerseits an meinem Po herum. Zwischendurch blieben wir immer wieder stehen, um Küsse auszutauschen.

Ich hatte überhaupt nicht mehr auf den Weg geachtet, als Max mich zur Seite zog, wo ein breiter Graben verlief.

„Da müssen wir drüber.“ Und in seinem niedlichen Schwäbisch, auf das ich inzwischen schon fast süchtig war, fragte er nach: „Schaffsch des alloi?“

„Ich glaub‘ ned. Hilfst du mir?“

Eigentlich hätte ich erwartet, dass er mir die Hand gibt, um den Schwung, den ich nehmen müsste, zu steuern und abzusichern. Stattdessen packte er mich, und warf mich wie einen Mehlsack über seine linke Schulter. So unvorbereitet konnte ich nicht verhindern, dass mir ein überraschtes Quietschen entfuhr.

Er machte einen großen Schritt über den Graben, und setzte mich erst nach ein paar weiteren Schritten ab.

Nach der ersten Überraschung wollte ich protestierten, denn das war unbequem gewesen, und mein Rock war bei der Aktion hochgerutscht.

Aber er erstickte meine Worte mit einem Kuss, nahm dann meine nackten Pobacken in die Hände, drückte sie, zog mich näher an sich, und gab dabei ein genießerisches, langes „mmmmmmmh“ von sich.

Fortsetzung folgt.

 

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